.... ging es heute im Vogtland zu. Wieder einmal hatten wir heute (02.09.2021) Besuch von einem Spritzzug. Am Anfang habe ich die Meldungen ein wenig ignoriert, da ich von der Arbeit abgelenkt war. Als es dann hieß er fährt über Weischlitz und Gera, steigerte sich mein Interesse. Zuhause angekommen wurde die neue Kamera genommen und ab ins Elstertal. Nach einigen Minuten an Stellen suchen und Kamera einstellen, entschied ich mich an den Bahnhof Barthmühle zu gehen. Im vorbeigehen sagte mir der Fahrdienstleiter noch, daß er den Zug halten lässt. 3 Fotos sind entstanden: - einmal bei der Einfahrt - einmal beim Halt - und ein "Nachschuss" bei der Ausfahrt
Schöne Aufnahmen, aber sind das schon vorgezogene Fahrten für 2022 oder welchen Nutzen steckt dahinter, jetzt wo die Vegetation im und am Gleis schon in der Endphase ist...😑
Zitat von MSV im Beitrag #2Schöne Aufnahmen, aber sind das schon vorgezogene Fahrten für 2022 oder welchen Nutzen steckt dahinter, jetzt wo die Vegetation im und am Gleis schon in der Endphase ist...😑
Wenn zum Beispiel nur mit Blattherbiziden gesprüht werden darf, macht dies schon Sinn (Frühjahrspflanzen bzw. Spätsommerpflanzen wachsen nie gleichzeitig), evtl. darf auch kein Wurzelherbizid verwendet werden.
Hmm okay das scheint "Sinn" zu machen. Aber wenn man wirklich erst auf Blattherbizide setzt ist das meiner Meinung nach zu spät. Bei feuchtnasen Wetter, was ja diesen Sommer gar nicht so wenig war, eine Wagenprüfung oder Bremsprobe am Zug durchzuführen macht kein Spaß außer man hat eine Watthose und Gummistiefel mit. Die Vegetation am Gleis und auf den Rangier- Randwegen ist teilweise Knie hoch und schön feucht. Es gibt nichts schöneres einen Dienst mit nassen Schuhen und Hosen durchzuführen...
Und wenn Bodenherbizide (so heißen die Wurzelherbizide wirklich) gespritzt werden, macht es auch stets Sinn, denn diese wirken nämlich weitaus weniger gegen Wurzeln als dass sie das Auskeimen von im Boden vorhandenen Pflanzensamen verhindern. Auf letztere Funktion sind die heutigen Bodenherbizide nämlich vordergründig ausgelegt. Und keimfähige Samen können im Boden immer vorhanden sein - entweder noch vom letzten Herbst (selbst, wenn zwischendurch schon mal wieder gesprüht worden war, es können welche überlebt haben) und je nach den Bahndamm umgebenden Pflanzenarten können auch schon wieder neue Samen von diesem Sommer hinzugekommen sein.
Um Wurzelwerk zu bekämpfen, sind nicht vordergründig die Bodenherbizide gedacht, sondern eben die Blattherbizide! Diese heißen ja nur so, weil sie über die Blätter der Pflanzen aufgenommen werden, nicht weil sie die Blätter der Pflanze direkt absterben lassen würden. Blattherbizide lassen nicht die Blätter der Pflanze direkt absterben. Sondern die Blätter der Pflanze saugen die Blattherbizide (zunächst zerstörungsfrei) auf und transportieren die Blattherbizide über die Kapilaren zu den Wurzeln der Pflanze. Dort werden dann die Wurzeln zerstört. Und das Nichtmehrvorhandensein funktionsfähiger Wurzeln und damit die gestoppte Nährstoffzufuhr der Pflanze führt dann später zum Absterben der Blätter bei der Anwendung von Blattherbiziden. Deshalb dauert es zwischen dem Anwendungstag von Blattherbiziden und dem Zeitpunkt, dass die oberirdischen Pflanzenteile welk werden auch bis zu zwei Wochen, weil zwischendurch erst mal der beschriebene Transport- und Wurzelzerstörungsprozess laufen muss.
Unkrautbekämpfungsmittel, die sofort die Blätter bzw. oberirdischen Pflanzenteile abtöten, gibt es auch, aber diese sind ziemlich sinnlos, da ohne längerfristige Wirkung: Diese verätzen durch Säurehaltigkeit die oberirdischen Pflanzenteile, also Blätter, Halme usw., Schon nach 10 Min beginnt alles welk zu werden, nach 1 Std. sieht alles welk aus - nicht hellgelb-hellbraun vertrocknet wie bei der Anwendung von Blattherbiziden, sondern durch die Säureeinwirkung eher schwarz-dunkelbraun - und sieht aus wie "voller Erfolg". Doch nach zwei bis vier Wochen ist alles wieder wunderbar grün, denn es waren durch solche Brühe nur die oberirdischen Pflanzenteile zerstört worden, nicht aber die Wurzelwerke. Letztere sind völlig intakt geblieben und treiben schnell wieder aus.
Diese rein oberirdisch wirkenden Unkrautvertilgungsmittel sind heutzutage seit dem Verkaufsverbot des Blattherbizides Glyphosat im Privatanwenderbereich (glaube 2016 war das) die einzigen Unkrautvertilgungsmittel, die man privat für Haus und Garten heute noch im Baumarkt bzw. Gartenfachmarkt zu kaufen kriegt. Schweineteuer, wirkt (scheinbar) sofort, hält aber Null längerfristig.
Bei der Bahn werden meines Wissens nach solche rein oberirdisch wirkenden Unkrautvertilgungsmittel aus gutem Grund gar nicht angewendet. Zumindest immer dann, wenn es die Bahn so genehmigt bekommt, besteht die Spritzbrühe bei der Bahn aus einem Mix aus Blattherbiziden (Glyphosat oder analoges Produkt) zum Bekämpfen vorhandenen Wildwuchses im Gleis sowie aus Bodenherbiziden gegen das Auskeimen vorhandener Samen im Gleisbett.
Letzteres ist besonders wichtig, um insbesondere auch das Aufkeimen vorhandener Samen von Nadelhölzern zu unterbinden. Sind die nämlich einmal aufgegangen, ist es mit den heutzutage überhaupt noch zugelassenen Unkrautvertilgungsmitteln nämlich nahezu unmöglich, diese noch wieder wegzubekommen. Denn die o.g. Blattherbizide wirken nur gegen Laubgewächse, nicht gegen Nadelgehölze und die Bodenherbizide wirken wie gesagt vordergründig nur gegen Samen und allenfalls schwach auch gegen bereits vorhandene Nadelhölzer.
Wöllte man vorhandene Nadelhölzer im Gleis auf chemischem Wege wieder weg kriegen, müsste man klassisch Natriumchlorat nehmen. Das ist das zu DDR-Zeiten übliche, "echte" Unkraut-Ex, welches es damals für jeden Gartenfreund wie für die Reichsbahn problemlos überall gab, weshalb es damals auf Bahngelände auch so sauber aussah, also zumindest im Gleisbett. Nur das Zeug ist seit Anfang der 90er als Unkrautvertilgungsmittel strikt verboten, man kriegt es außer vielleicht über illegale Kanäle normalerweise nicht mehr zu kaufen.
Seit zirka 2014 darf Natriumchlorat auch für andere/professionelle Anwendungszwecke in der chemischen Industrie legal nur noch ganz kompliziert mit aufwändigen Dokumentationspflichten und Kontaktnachverfolgung und Angabe des Erwerbsgrundes und der beabsichtigten Verwendung an registrierte Nutzer mit speziellen Berechtigungsschein verkauft werden, a) um zu unterbinden, dass es klammheimlich und illegal eben doch als Unkrautvertilgungsmittel genutzt wird und b) um zu verhindern, dass jemand damit Bomben bastelt. Denn Natriumchlorat gemischt mit irgendwelchen anderen Bestandteilen kann Sprengstoff ergeben. Die Explosionsfähigkeit dieses Zeugs ist auch der Grund dafür, warum schon zu DDR-Zeiten dafür bei größeren Mengen spezielle Transport- und Lagervorschriften galten. Und warum manche älteren Eisenbahner manchmal noch davon berichten, dass es beim Einsatz der Unkrautvertilgungszüge in den 80er Jahren (oder auch davor natürlich) oft unter den Rädern Funken sprühte und knallte und zischte, wenn die Räder des Zuges frisch besprühte Schienenköpfe befuhren.
Aber das ist vorbei. Heute gibt es - wenn überhaupt - nur noch diese biologisch abbaubaren Boden- und Blattherbizide. Und selbst für diese Mixtur erhält selbst DB Netz nicht immer und überall eine Anwendungsgenehmigung. Z.B. im Vogtland im unmittelbaren Bereich der Talsperre Muldenberg nicht, weshalb das dort 1997 grundhaft erneuerte Gleis im Sommer so grün aussieht wie ein intakter Regenwald. Oder auch im Elstertal im Naturschutzgebiet an Brückenköpfen zwischen Elsterberg und Barthmühle teils nicht, weil die Spritzbrühe nicht ins Flusswasser gehen soll.
Ach ja und vor sowie hinter der Brücke der GWz über die Trieb an deren Mündung in die Weiße Elster hinter der Elstertalbrücke ist auch so ein Bereich, wo das Streckengleis auf einigen Metern Streckenlänge stets ein Vollbiotop ist, weil hier auch niemals gespritzt werden darf wegen der Fahrt über den Fluss. Verkehrt an solchen verbotenen Stellen der Spritzzug, werden die Düsen für ein paar Meter abgestellt. Sind solche Bereiche dann 1989 letztmals behandelt worden, sieht es über 30 Jahre später eben dementsprechend aus...
Zitat von Holger Drosdeck im Beitrag #5Zumindest immer dann, wenn es die Bahn so genehmigt bekommt, besteht die Spritzbrühe bei der Bahn aus einem Mix aus Blattherbiziden (Glyphosat oder analoges Produkt) zum Bekämpfen vorhandenen Wildwuchses im Gleis sowie aus Bodenherbiziden gegen das Auskeimen vorhandener Samen im Gleisbett.
Dazu passt der Begleittext zu einem Spritzzugfahrplan dieser Tage:
ZitatDie Spritzfahrten können nur durchgeführt werden, wenn zum Zeitpunkt der geplanten Behandlung die entsprechenden Bestellungen der DB und die Ausnahmegenehmigungen der EBA- Außenstelle vorliegen. Sollte dies nicht der Fall sein (EBA- Genehmigung), kann lediglich ein Vegetationsmonitoring der Strecken durchgeführt werden.
Mir scheint die mechanische Vegetationskontrolle vor einem großen Comeback zu stehen.
Danke an Holger für die ausführlichen Infos. Daran sieht man gut, wie problematisch das alles ist. Zumindest ist es für den Oberbau aus meiner Sicht letztlich schon dann zu spät, wenn sich erstmal nennenswert Wurzeln gebildet haben, und dementsprechend ist später dann mit höheren Folgekosten und erhöhtem Aufwand zu rechnen, wenn es nicht gelingt, ganz am Anfang regelmäßig zu bekämpfen. Und das wird immer schwieriger, je mehr wirksame Mittel verboten werden. Es fehlt mir hier, wie so oft, der übergreifende volkswirtschaftliche Ansatz, der auch die Folgen solcher politischer Entscheidungen bedenkt und rechtzeitig tragfähige Alternativ-Lösungen findet, bevor verboten wird und bevor die Folgen sichtbar werden.
Zitat von Ijon Tichy Mir scheint die mechanische Vegetationskontrolle vor einem großen Comeback zu stehen.
Die Schweiz zum Beispiel hofft auf Heißwasser und auch auf mechanische Maßnahmen. Hier wird dazu etwas geschrieben:
Bemerkenswert finde ich dabei folgende Aussage, die sich noch auf Glyphosat bezieht: „Die Bekämpfung von Pflanzen im Gleisbereich geschieht zu Fuss und mit optimierten Geräten, deren Spritzdüsen nahe am Boden geführt werden. Auf diese Weise wird das Unkraut gezielt beseitigt, der Verbrauch an Glyphosat tief gehalten und eine Abdrift des Herbizides vermieden. “. (Zitat Ende)
Man wird sehen, ob es in der Schweiz künftig noch gelingt, den dort bisher meist vergleichsweise sehr gut gepflegten Oberbau beizubehalten. Da es sich auch um die regelmäßige Pflege der Randbereiche der Gleise handelt, geht es hier in Deutschland neben den oben erwähnten Verboten früher bewährter Mittel eben auch darum, ob man überhaupt genügend Personal hat.
Mir ist es vom Prinzip her eigentlich egal was wie und wo eingesetzt wird. Aber die Rangier-und Randwege müssen begehbar sein. Bisher haben sämtliche Beschwerden rein an die Fahrdienstleiter und oder DB Netz keinen Erfolg gebracht. Sie selbst müssen ja auch nicht im "Dschungel" arbeiten ...
Apropo Beschwerdwn früher - da gab es die Meldekarte - Lokführer und anderes Personal gaben die bei ihrer Heimatdienststelle ab und kamen so auf den Dienstweg zumeist zu einer Antwort und im günstigen Fall auch zu einer Veränderuung. Ich habe den Eindruck, dass es diese Meldekarten derzeit nicht mehr gibt, weil viele Mängel "ewig" vor sich hin "arbeiten", und man sich damit abgefunden hat, das es so ist, wie es ist.
Zitat von Bärenteich im Beitrag #12Ich habe den Eindruck, dass es diese Meldekarten derzeit nicht mehr gibt, weil viele Mängel "ewig" vor sich hin "arbeiten", und man sich damit abgefunden hat, das es so ist, wie es ist.
Am fehlenden Meldeweg scheitert es gewiss nicht. Wenn nichts passiert, liegt das Problem anderswo. Da würde auch eine goldgerahmte Meldekarte auf Büttenpapier nichts nützen.
ich will mit meinen Ergebnissen der giftigen Fuhre vom Donnerstag, 02. September 2021, net hinter'm Berch halten.
Naturgemäß sollte etwas im Oberen Vogtland werden. Das Gewölk am Himmel machte es mehr als spannend, die Hinfahrt nach Bad Brambach war in Adorf ein klassischer Wolkenschaden. Auch für die Rückleistung wurde erst zwei, drei Minuten vor Durchfahrt des V100-Sandwiches alias NbZ 94044 Bad Brambach - Gera Hbf Licht, dies schaute dann in Rebersreuth so aus:
Da es Richtung Norden weit weniger spannend am Himmel aussah, wurde halt wider ursprünglicher Planungen die Verfolgung aufgenommen. Bei Vmax 40 jetzt nicht sooo die Herausforderung ...
Gut anderthalb Stunden später bei der momentan um diese Zeit einzigen Kreuzungsmöglichkeit zwischen Weischlitz und Greiz, im Bahnhof Barthmühle, konnte ein zweites zufriedenstellendes Bild entstehen:
Grüße in den Führerstand und an den Getroffenen. Allen Lesern noch einen schönen Rest-Sonntag sowie eine angenehme neue Woche.